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Mädchen, für das ich die ganze Welt bedeutete. Das Mädchen, was alles für mich getan hätte. Am nächsten Morgen weckte mich mein Handy. Ich mußte eine Fahrt machen. Das war in unserer Beziehung noch nicht vorgekommen, das ich auch an einem Samstag weg mußte. Zu meiner großen Überraschung akzeptierte Sie das sogar, ohne auf mich böse zu sein. In mir keimte wieder eine Hoffnung auf, dass Sie es vielleicht wirklich schaffen konnte. Am nächsten Morgen gegen 3.00 Uhr war ich wieder bei Ihr. Ich wollte Sie nicht wecken. Ich setzte mich in die Küche und trank noch ein Bier. Sie wurde doch wach und setzte sich noch zu mir an den Tisch. Auch total ungewöhnlich. Sie war lieb und wir redeten noch ein wenig über unsere Urlaubspläne für dieses Jahr. Sie wollte gern ein paar Tage mit Ihrem Sohn alleine an die Nordsee fahren, ob ich etwas dagegen hätte. Natürlich nicht. Auch wieder ungewöhnlich. Sie plante etwas, was in der Zukunft lag. Das machte Sie sonst nie. Wieder Hoffnung in mir. Aufeinmal passierte irgend etwas, ich weiß nicht mehr was und Sie wurde wieder aggressiv. Von einer Sekunde auf die andere. Wie immer eben. Ich ging dann ins Bett, war viel zu müde für eine Auseinandersetzung. Am nächsten Mittag stand ich auf. Sie war nicht da. Ich ging duschen und schaute dann noch
ein wenig fern. Sie kam dann auch. Sie war spazieren und war gut drauf. Sie hat gelacht und wirkte glücklich. Und jetzt passierte es: das Ende unserer Beziehung war gekommen:
Es ging nur um Tomatensauce und um Haushaltsführung. Sie rastete vollkommend aus. War wieder aggressiv und prügelte auf mich ein. Ich sollte gehen. Für mich war jetzt das Ende gekommen. Ich wollte gehen, aber für immer, dass stand jetzt für mich fest. Allerdings brauchte ich mein Handy, ohne dem konnte ich aber nicht fahren. Blöderweise hatte Sie es vorher durch das Zimmer geschmissen und ich konnte es nicht finden. So eskalierte die Situation. Wenn ich so auf mein Handy bestand, war es für Sie immer ein Zeichen, dass ich wirklich fahren wollte. Sie hatte ein Messer in der Hand. Das machte Sie immer, aber ich hatte nie Angst, dass Sie es wirklich benutzen würde. Diesmal war es anders. Sie fuchtelte damit rum, und traf mich. Sie stach mir wirklich in den Arm. Was dann genau passierte, weiß ich nicht mehr. Ich versuchte mich zu schützen und stieß Sie weg. Wie genau, weiß ich nicht mehr. Ich setzte Ihr nach, und wollte Sie festhalten, aber davon ließ ich wieder ab. Ich lief aus dem Zimmer und ging runter zu Ihren Eltern. Ich klingelte. Das hatte ich vorher noch nie getan. Da merkte ich erst einmal, wie tief die Wunde wirklich war. Ich blutete das ganze Treppenhaus voll. Ihre Mutter machte die Tür auf und erschrak und fing an zu weinen. Sie wußte sicherlich von Ihren aggressiven Tendenzen, allerdings nicht in diesen Ausmaßen. Ich erklärte kurz die Situation. Sie ging hoch zu Ihr, ich ging ins Bad. Ich säuberte die Wunde unter fließendem Wasser und versuchte die Blutung zu stoppen, was mir anfangs nicht gelang. Ich drückte Toilettenpapier drauf, bis ich es einigermaßen unter Kontrolle hatte. So richtig was passiert war, war mir noch nicht bewußt. Ihre Mutter kam wieder runter, und meinte Sie könne mein Handy nicht finden. Sie sagte, Sie hätte sich in der Toilette eingesperrt. Ich ging mit hoch, und suchte mein Handy, war nicht leicht, aber ich fand es. Mir ging es so endlos schlecht. Ich versuchte mich zusammen zu reißen, weil ich jetzt wußte, was zu tun war. Ich sagte zu Ihrer Mutter: „Bitte passen Sie jetzt auf Sie auf.“ Ich schaute mich noch einmal in der Wohnung um und verabschiedete mich still von allem. Vieles schoß mir noch einmal durch den Kopf. Die ganze Liebe, der ganze Haß den ich in der Wohnung erlebt hatte. Ich merkte, wie in mir die Tränen hervorquollen. Aber ich wollte nicht, das jemand meinen Schmerz sah. Ich ging langsam die Treppen hinab, ihre Mutter stand noch oben und schaute mir nach. Ich winkte Ihr und sagte ein letztes mal tschüs. Ausgerechnet in dem Moment hörte mich Ihr kleiner Sohn, und sagte: „He Jens, ich habe ein neues Spielzeug, wollen wir spielen?“ Ich meinte zu Ihm, ich müsse schnell weg, und komme gleich wieder. Wir spielen dann. Mir zerbrach es fast mein Herz. Ich setzte mich ins Auto und fuhr los. Nur weg hier, schoß mir durch den Kopf. Nur war das Kühlwasser leer, und das muß man nun mal sofort nachfüllen. Mein Arm schmerzte. Jetzt fuhr ich endgültig, aber nicht ohne mich noch einmal umzuschauen....
Nach ein paar Kilometern mußte ich erst mal rechts ran fahren. Die Eindrücke übermannten mich. Ich konnte nicht mehr, war am Ende meiner Kräfte. Alles brach aus mir heraus. Ich versuchte die Fassung zu behalten. Aber diesmal verlor ich Sie vollständig. Ich kam mir so hilfslos vor, wie ein kleines Kind. Es waren so viele Emotionen in mir. Es quoll alles heraus. War es richtig, was ich tat? Was mache ich jetzt? Mein Arm schmerzt! Irgendwann fuhr ich weiter. Ich schaute mich im Autospiegel an. Was ich sah, erschrak mich. Mein Hals verkratzt und brannte auch, mein Gesicht war mit Blut verschmiert. Zu Allem Überfluß war auch noch der Tank leer. Also muße ich in diesem Zustand auch noch in eine Tankstelle. Bei der Gelegenheit kaufte ich mir gleich noch Zigaretten und eine Cola. Ich brauchte was zum Trinken, mein Hals war so trocken, das ich das Gefühl hatte, es würde gleich alles zukleben. Was die Leute wohl gedacht haben? War mir aber in dieser Situation egal. So fuhr ich dann halbwegs sicher nach Hause. In meinem Kopf spielte sich alles noch einmal ab? Was war eigentlich passiert. Ich beschloß zu meinem Bruder zu fahren, um meine Wunde versorgen zu lassen. Er war ja immerhin mal Sanitätszivi. Ich rief ihn an. Er war bei mir daheim. Ich schilderte kurz die Angelegenheit, ohne Ihn zu sehr zu erschrecken. Als ich dann daheim war, meinte er gleich, das wir ins Krankenhaus müssen, um die Wunde behandeln zu lassen. Das taten wir auch. Mir ging es eigentlich jetzt gerade ganz gut. Meine Entscheidung stand fest. Als ich dann so auf der Liege lag, um meine Wunde nähen zu lassen, wurde mir erst klar, was passiert war. Meine Freundin hatte mich mich mit einem Messer so sehr verletzt, dass ich von einem Notarzt behandelt werden musste. Entschuldigung, meine Ex-Freundin. Mir ging es wahrscheinlich nicht so schlecht, weil die Wut über das Geschehene noch das dominierende Gefühl in mir war....
Naja, irgendwann war ich dann wieder daheim. Ich hatte mich wieder ein wenig beruhigt. Wir begannen dann ein wenig zu Trinken. Nicht schlimm, nur ein wenig Bier. Mit der Zeit ging es mir immer beschissener. Ich begann zu weinen. Zu weh tat der Schmerz. Ich hatte mein kleines Mädchen alleine gelassen, was wird Sie wohl gerade fühlen? Ich spürte endlose Sehnsucht und Trauer und hatte so unwahrscheinlich viel Mitgefühl für Ihre Situation. Ich wollte, konnte das alles nicht wahr haben. Wie oft habe ich Ihr geschworen, dass wir es für immer schaffen werden, dass ich unsere Beziehung nie beenden würde. Sie hat immer so sehr gehofft, dass ich es wirklich so meine. Und das habe ich auch immer getan. Alle Versprechen die ich Ihr gab, waren jetzt relativ. So tiefe Trauer hatte ich wohl bisher noch nie empfunden, ich wusste das es endgültig ist, und ich nicht mehr zurück kann.
Mein Herz widerstrebte sich den Gefühlen. Ich spürte so tiefe Liebe und Trauer, soviel Wut auf mich, dass ich es doch nicht geschafft hatte. Mein kleines Baby war jetzt allein, ganz alleine gelassen von mir in Ihrem Gefühlschaos, in Ihrer Verzweiflung in Ihrem Schmerz...
Irgendwann ging ich dann ins Bett. Schlaf konnte ich noch lange nicht finden. Meine Gedanken rasten und ich sagte Ihr in Gedanken noch, dass Sie jetzt ganz stark sein muss...
Ich wachte ziemlich früh wieder auf. Meine Psyche war am Ende. Ich versuchte nach außen stark zu wirken, aber in meinem Inneren sah es ganz anders aus. Ich konnte nichts essen, nichts trinken, nicht denken. In mir war alles wie zugeschnürt. Jede Minute war ein Kampf mit mir selber, dass ich nicht die Kontrolle verliere. Ich versuchte krampfhaft nicht an Sie zu denken, weil jeder Gedanke an Sie so unwahrscheinlich schmerzte, dass ich Angst hatte zu ersticken. Wie Liebeskummer sich anfühlt, dass weis ich, aber das war mehr, viel mehr. Meine Nerven, meine Psyche war am Ende, ich sehnte mich nach Ruhe, aber ich fand keine. Die Nacht musste ich wieder arbeiten. Und ausgerechnet in dieser Nacht, hatte ich einen besonders langweiligen Job. Die ganze Nacht, von einem Ort in den Nächsten, immer wieder die gleiche Strecke. Ich weiß nicht wie ich das geschafft habe, aber ich habe es. Ich fuhr wie eine Maschine, versuchte meine Emotionen in den Teil zu verbannen, wo ich sie nicht mehr spürte. Das gelang mir zeitweise auch. Aber diese Bilder Ihrer Verletzlichkeit und Einsamkeit schossen immer wieder durch meinen Kopf, und die waren die Hölle...
Immer wenn Sie mich lange nicht gesehen hatte, und ich wieder zu Ihr fuhr, wartete Sie oft schon im Flur auf mich. Sie sprang dann in meine Arme und lächelte mich mit Ihren großen Augen an. Sie sog meine Liebe und Wärme mit großen Zügen auf. Wenn wir wieder ein schlimmes Ereignis hinter uns gebracht hatten, lag Sie sooft in meinem Arm und weinte, Sie sagte dann immer „Baby, ich kann nicht mehr. Ich möchte doch nicht mehr krank sein. Ich möchte glücklich mit dir sein.“ Dann weinten wir oft Beide.... Auch sagte Sie einmal zu mir: „Wenn wir eines Tages nicht mehr zusammen sein können, dann sei nicht traurig, dann denke immer dran, ich werde immer dein Engel sein und auf dich aufpassen, egal was auch immer passiert.“ Dieser Gedanke machte mich schier wahnsinnig, mir liefen die Tränen nur so runter, meine Trauer war grenzenlos. Ich hatte das Gefühl, dass mein Herz zerspringt. Der Schmerz wurde körperlich, so dass ich kaum noch Luft bekam. Ich versuchte mich an meinen Zigaretten festzuhalten, und irgendwo Trost zu finden. Ich versuchte die Erlösung zu spüren, ich versuchte mir die schlimmen Ereignisse in mein Bewußtsein zu rücken, den ganzen anderen Schmerz zu spüren. Ein Wechselbad der Gefühle, es ging hin und her, eine ganze Nacht im Auto kann so endlos lang sein. Ich weiß nicht wie ich es geschafft hatte, die ganze Nacht durchzuhalten, aber meinen Job habe ich trotzdem wie immer zuverlässig erledigt. Ich war schon fast wieder daheim. Erschöpft, übermüdet, leer. Und da klingelte mein Handy. Sie war dran. Ich wollte nicht abheben, aber das brachte ich nicht fertig. Ich sagte einfach mal „Hallo“. Sie war auch am Ende. Sie fragte was nun los sei. Sie wußte ja noch gar nichts. Aber daran hatte ich die letzten zwei Tage nicht gedacht. Ich sagte Ihr, dass ich wegen Ihr beim Notzarzt war und das es jetzt endgültig aus sei. Sie wußte nichts mehr von der Messerattacke. Sie flehte und bettelte. Nur noch eine Chance... das sagte Sie dutzende Male. Sie versprach mir, beim nächsten Aussetzer könne ich sofort gehen, nur noch eine Chance. Ich konnte mich auch nicht mehr zusammen reißen, ich weinte, versuchte aber das Sie meinen Schmerz nicht mitbekam. Ich sage Ihr, dass ich jetzt auflegen werde, bat Sie das Sie sich damit abfinden soll, und dann legte ich auf. Wie gern hätte ich wie immer gesagt: „Ok meine Süße, las uns alles vergessen. Es wird schon wieder gut.“ Wie gerne hätte ich Ihr und mir den Schmerz genommen. Aber ich wußte, ich durfte das nicht tun. Das Handy klingelte noch ewig weiter, aber ich ging nicht mehr ran. Ich rief dann noch meine E-Mails ab, es war auch die letzte von Ihr dabei. Der Titel war: „Hör mir nur noch einmal zu.“ Sie schilderte darin, unsere letzten zehn Minuten bei Ihr, wie Sie sie erlebt hatte. Sie schilderte Ihre Ängste und Ihren Schmerz. Sie schrieb den ganzen Text von UNSEREM LIED.
Immer wieder, immer wieder denk ich an dich. Immer wieder, immer wieder vermisse ich dich. Tausend mal berührt, tausend mal gespürt. Tausend mal geliebt...........“
Ihr letzter Satz war die Frage: „Warum ist unser erstes Lied eigentlich ein Trennungslied?“
Ich legte mich hin. Es war mittlerweile 6.00 Uhr. Ich war psychisch so erschöpft, dass ich auch gleich einschlief. Aber lange konnte ich nicht, so dass ich vier Stunden später schon wieder wach war. Ich erhielt einen neuen Auftrag und machte mich bald wieder auf den Weg. Ich hatte so ca. 1000 km vor mir. Ich spürte eine Leere in mir. Meine Gedanken waren wie immer die Gleichen. Ich versuchte alles noch einmal durchzuspielen. Wie alles war, wie alles passierte. Abermals wie eine Maschine gab ich Gas und bremste, gab ich Gas und bremste,versuchte wenigstens noch ein wenig Aufmerksamkeit auf den Verkehr zu lenken. Mir gelang es jetzt doch ein wenig mehr, die Fassung zu bewahren. Und irgendwann klingelte mein Handy wieder und ich sah Ihre Nummer im Display. Ich sammelte meine Gedanken und wollte Ihr jetzt noch die letzten Sachen sagen. Sie kam ziemlich schnell zur Sache, und schilderte mir, dass Sie nicht mehr kann. Sie sagte Sie bekomme täglich eine Nervenspritze, und weiß nicht mehr wie es weitergehen soll. Sie war so hilflos, dass jetzt mein Herz wirklich brach. Ich kämpfte um meine Fassung und versuchte meine Stimme standhaft zu halten. Ich sagte zu Ihr, dass Sie sich keine Vorwürfe machen soll, dass unsere Beziehung nur an meiner Schwäche gescheitert ist. Ich versuchte Ihr begreiflich zu machen, dass es das Beste für uns Beide sei, und dass Sie das irgendwann verstehen würde. Ich sagte: „Eines Tages wirst du wieder lächeln können, und dann werde ich nur noch ein Teil Deiner Vergangenheit sein. Du wirst Dich wieder neu verlieben und glücklich sein. Ich habe jetzt keine Verantwortung mehr für Dich, die haben jetzt andere Menschen die dich lieben, z.B. deine Eltern. Du warst mir immer eine gute Freundin, ich war gern mit Dir zusammen. Lebe wohl und alle Kraft der Welt.“ Ich glaube in dem Moment ist etwas in mir gestorben, was nie mehr zum Leben erwecken kann..... Ich wollte noch nicht auflegen. Sie sagte jetzt Ihre letzten Worte zu mir: „Ich will mich nie wieder verlieben, ich will das Du mich tröstest, wie du es immer getan hast.“ Dann begann Sie hemmungslos zu weinen, und bettelte abermals um eine zweite Chance bis Sie irgendwann völlig entkräftet auflegte...
Die Gefühle die ich jetzt empfand, kann man mit Worten nicht beschreiben. Es kam alles hoch, die letzten 15 Monate. Die ganze Liebe, der Haß, die Wut, die Verzweiflung, die Sehnsucht und die Hoffnung. Den Verkehr nahm ich nicht mehr war, aber Sie hatte ja zu mir gesagt: „Wenn wir einmal nicht mehr zusammen sind, dann werde ich Dein Engel sein, und auf Dich aufpassen.“ Ich glaub, das tat Sie jetzt gerade.
So fuhr ich nun weiter, ich hatte ja noch mehrere Kilometer vor mir. Ich wußte, dass ich jetzt etwas unternehmen muss, sonst würde ich verrückt werden. Mit den Stunden ging es mir dann langsam ein wenig besser, ich beschloß, dass sich mein Leben jetzt wieder normalisieren würde.
Die nächsten Tage begann ich mich abzulenken, ich surfte stundenlang auf Erotik-, und Singleseiten im Internet. Nur um mich mit irgend etwas zu beschäftigen. Das funktionierte auch ganz gut. Mit den Tagen die vergingen, konnte ich meine Gefühle mehr und mehr konkretisieren. Solange ich Menschen um mich hatte und etwas zu tun, ging es mir nicht so schlecht. Ich kann wieder machen was ich will. Und daran hielt ich mich fest. Nur noch nachts, wenn ich wieder hunderte von Kilometern hinter mir lies, übermannten mich noch die Gefühle. Ich spürte Einsamkeit, Sehnsucht, Liebe. Ich weiß nicht wie oft mir die Tränen aus den Augen liefen, wie oft der Schmerz wieder körperlich spürbar war. Es war oft, zu oft.
Mit den Tagen, sah ich meine Freunde wieder. Das tat gut. Alles war so, als wäre ich nie weg gewesen. Ich versuchte wieder der Mensch von früher zu sein.
Wenn die negativen Gefühle, wieder drohten übermächtig zu werden, verstand ich es mittlerweile zu verdrängen, bis auf einmal da gelang es mir nicht mehr. Ich war wieder in der Nacht unterwegs. Aufeinmal kam der ganze Druck der letzten Tage zum Vorschein. Ich hatte alles zu sehr verdrängt, und das wollte jetzt raus. Ich begann laut mit Ihr zu reden, wie als könne Sie mich hören. Alles quoll nur so aus mir heraus. Ich glaube, ich hatte soetwas wie einen Nervenzusammenbruch. Ich war am Ende. Ich verhandelte mit meinem Schicksal und mit mir. Wieso war alles so gekommen, wieso? Nach einer Stunde hatte ich mich wieder gefangen, und fuhr die letzten 200 km nachhause.
So, das war nun meine Geschichte, wer auch immer diese Seiten jemals lesen wird, stellt sich sicherlich die Frage, warum ich das alles mitgemacht habe. Ich habe lange versucht eine Antwort zu finden:
Wenn man jemanden wirklich liebt, wie ich Sie liebe, darf man sich dann für diesen Menschen nicht auch aufopfern, wenn man noch Hoffnung hat? Ich glaube man darf das tun. Sie hat immer versucht, das es Ihr besser geht, die Klinik, unzählige Therapiestunden. Wenn es Ihr gut ging, war Sie der Mensch, den ich nie verlassen hätte. Wäre Sie nicht krank gewesen, hätte ich Sie vom Fleck weg geheiratet. Aber wir haben uns zu sehr geliebt. Eine Liebe die von gegenseitiger Abhängigkeit geprägt war, die bei mir bis zur Selbstaufgabe geführt hatte. Ich war ein anderer Mensch, der sein Umfeld nicht mehr wahrgenommen hat.
Als ich Sie kennenlernte, war Sie noch ein anderer Mensch. Sie konnte noch Lachen und fröhlich sein. Wieso habe ich Ihr das genommen? Hätte ich Sie nicht an Ihre Krankheit herangeführt, wäre dann alles ganz anders geworden? Wieso bin ich nur so leichtfertig damit umgegangen. Muss ich mir Vorwürfe machen, dass alles meine Schuld ist. Das es wegen mir so weit gekommen ist, oder war es für Sie der richtige Weg. Hat Sie dadurch erst die Chance, jemals ein gesundes Leben zu führen? Wer kann mir diese Fragen beantworten????
Ich habe Sie viel zu selten Lachen gesehen. Ein Lachen von Ihr, war mir mehr wert, als alles andere, und hat mich immer für alles entschädigt.
Borderline-Menschen können Haß und Liebe auf einen Menschen vereinigen. Sie können beide Gefühle in einen Menschen projizieren. Gesunde Menschen können das nicht. Und das macht den Wahnsinn aus. Man denkt immer man könne es schaffen, aber man kann es nicht. Egal wie stark man ist, es kann nicht funktionieren. Soviel habe ich jetzt gelernt.
Mittlerweile lass ich es auch zu, wenn ich traurig bin, wenn ich an Sie denken muss. Ich versuche dann einfach, die schönen Momente mit Ihr noch einmal zu durchleben, um mich so von Ihr zu verabschieden. Und wir hatten schöne Momente, wenn wir uns beide liebten und von einer gemeinsamen Zukunft träumten. Wie wir uns eine kleine Wohnung nehmen würden, und wie wir unsere Tochter nennen würden: Angelina. Aber es blieb ein Traum, und das macht mich in diesem Moment gerade wieder unendlich traurig.
Ich muss jetzt wieder lernen, einen normalen Alltag leben zu können. Ich bin auf dem besten Weg dahin. Diese ganzen Eindrücke zu verarbeiten, wird noch lange dauern. Aber ich werde es schaffen, denn am Ende des Tunnels ist Licht.
Zur Zeit kann ich mir eine Beziehung zu einer anderen Frau absolut nicht vorstellen. Ich möchte mich nicht mehr verlieben, denn dann ist man so verletzlich. Es wird aber sicher
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